Und danach?
Was ist seither geschehen?
Wer den Inhalten im Buch keinen Glauben schenkt, kann nun aber vergleichen, was zwischen den damals verfassten Zeilen und der Gegenwart so alles passiert ist. Vor allem aber auch, wie sich die geschriebenen Darstellungen entweder erfüllt haben oder eben nicht eingetroffen sind. Einige Beispiele sollten dazu dienen, dem Inhalt des Buches wieder mehr vertrauen zu schenken. Denn alles was sich nach dem Schreiben des Buches ereignet hat, sind reine Fakten.
Aus dem Buch
Und danach
Beginnen wir mit einem Thema aus dem Buch, das unter dem Titel „Niedergang der Sozialdemokratie“ auf Seite 38 beginnt und auf Seite 43 den Kernsatz: „Babler wurde bekanntermaßen zum größten Fehlgriff der Zweiten Republik“, beinhaltet. Dabei ging es nicht nur darum, eine Person zu kritisieren, sondern vor allem, die Entscheidungsträger, nämlich die damaligen Mitglieder der Bundesgremien, also Präsidium und Vorstand, in die Pflicht zu nehmen. Denn nicht alleine Babler hatte versagt.
Nun, Monate danach, steht ein Parteitag auf dem Programm, in dessen Vorfeld der Inhalt des Buches wieder an Wert gewinnt. Aus den Bundesgremien haben sich bisher nicht nur Wiens Bürgermeister Ludwig und LH Doskozil, sondern inzwischen auch Max Lercher aus der Steiermark und Sven Hergovich aus Niederösterreich zurückgezogen und nicht mehr zur Wahl gestellt. Die Frage, die jetzt im Raum steht: Wer bleibt eigentlich übrig, um den weiteren Weg der SPÖ zu bestimmen? Wird man Babler ohne Gegenkandidaten in eine Pseudoabstimmung hetzen oder wird man einen Nachfolger oder neuen Kandidaten aus dem Hut zaubern? Oder Kern aus der Lade hervorholen? Alles schlecht. Was die Partei vermutlich benötigen würde, wäre ein neues Gesicht, einen Politiker, der präsent ist, laut ist und mit neuen Ideen zur Migration, zur Teuerung und zur Energiepolitik klare und durchsetzbare Lösungen liefert. Und vor allem soll der neue Mann keine hirnlosen Alleingänge zur Gefährdung der Koalition liefern. Die sog. Reichensteuer neu einzufordern ist der Stumpfsinn des Jahres, denn man hat vergessen, dass durch ein solches Gesetz auch schon ein wesentlicher Teil der Bevölkerung und nicht nur „Reiche" davon betroffen wären. Also hart arbeitende Gutverdiener mit Einfamilienhäusern, Eigentumswohnungen usw. Er muss modern sein und keinesfalls ein Marxist. Denn die gehören ins vorige Jahrhundert. Er muss angepasst an die Zeit und die Gesellschaft sein und wie es im Buch steht: laut sein! Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, Live-Videos und nicht so anständig wie bisher. Einfach: Laut sein!
Wird bei dem Parteitag Babler erneut bestätigt, ist das eine Bankrotterklärung der Sozialdemokraten und eine Gefährdung der Demokratie.
Im Buch auf Seite 82 wird erzählt, wie eine Moderatorin in Deutschland durch Mitglieder der AfD bedroht und beschimpft wurde, weil sie einen neutralen Bericht nach dem Tod eines rechten Influencers moderiert hat. Dies, obwohl der Bericht sachlich und auch moralisch richtig gewesen ist. Sogar ein Herr Professor hat sich darüber mokiert und eine Entschuldigung der Moderatorin verlangt. Die Beschimpfungen gingen schließlich so weit, dass sich die Moderatorin vorübergehend beurlauben ließ.
Im Jänner 2026 wird in Minneapolis eine amerikanische 37-jährige Hausfrau und Dichterin in ihrem Pkw von einem ICE-Agenten aus nächster Nähe dreimal ins Gesicht geschossen und sie stirbt vor Ort. Im republikanischen TV wird die Hausfrau bereits zwei Stunden nach der Tat als Terroristin bezeichnet. Das, obwohl per Video die Tat dokumentiert ist, und die Frau nie als Terroristin einzustufen war. Kein Wort seitens der AfD, und auch keine Worte des Herrn Professors zu dieser Tat, die eigentlich eher mit einem Mord als mit einer Notwehrsituation zu vergleichen war.
Man sieht wieder, wie Rechtspopulisten ihre Maßstäbe anlegen und ihnen außer ihrer eigenen Meinung nichts auf der Welt wichtiger erscheint. Moralische Maßstäbe gelten nur nach ihren Ansichten und man kann nur hoffen, dass man nie selbst in die Lage zu kommt, mit derartigen Maßstäben gemessen zu werden.
Unter dem Kapitel „Was wäre wenn" kommt es ab Seite 135 zur Frage, was wäre, wenn Kickl Kanzler geworden wäre. Hätte er sich Beispiele von seinem Vorgänger Strache geholt? Oder hätte er es der AfD gleich getan? Natürlich sind seine Sprüche unmittelbar nach dem Scheitern der Verhandlungen zum Kanzler wieder etwas deftiger geworden. Aber in vielen Belangen viel deutlicher als vorher. „Das Recht muss der Politik folgen" oder das „Brechen" der derzeitigen Regierungsform, sind schon sehr deutliche Aussagen zu seinen möglichen Plänen als Kanzler.
Und schon werden Aussagen nach der Erstellung des Buches wieder lebendiger. Während in den USA die ICE, also die Schergen der Einwanderungsbehörde, immer dreister und brutaler gegen die Bevölkerung vorgehen und mittels Dekret von Präsident Donald J. Trump bei allen Handlungen dabei straffrei bleiben, kommt es zu einer bemerkenswerten Aussage der AfD-Vorsitzenden, Dr. Alice Weidel. Betont bestimmend sagte sie bei einer Regierungssitzung im Parlament in Deutschland: „Wir haben immer das gefordert, was Trump heute umsetzt!“ Na also! Jetzt wissen es wohl auch die Dümmsten, was die AfD vorhat. Die ICE wird heute schon längst mit der Gestapo des vorigen Jahrhunderts gleichgestellt, denn ihre Methoden unterscheiden sich in keiner Weise vom damaligen Geschehen. Und diese Partei, also die AfD, wird von unserer FPÖ und Kickl sozusagen als Schwesternpartei oder gleich gesinnte Partei geführt. Und natürlich haben beide Parteien dieselben Ziele, die Vertreibung der Migranten und die Bevorzugung der weißen Rasse. Hat aber schon einmal nicht auf Dauer funktioniert. Schon vergessen? Aus dem 1000-jährigen Reich blieb nach ein paar Jahren nur ein Lüfterl des Todes über. Und dafür haben so viele Leiden müssen.
Auf Seite 154 wird der Wahlerfolg der FPÖ in der Steiermark und die Folgen daraus angesprochen. Auch über die ersten Proteste betreffend die Änderungen in den Spitälern der Obersteiermark ist kurz berichtet, aber eben zu dieser Zeit noch nicht vollständig. Dann wurde auch noch das Thema Kürzungen bei vielen Sozialdiensten, vor allem im Bereich der Kinderbetreuung, erwähnt. Aber es sollte noch schlimmer kommen, als zuvor berichtet.
Was aus den Versprechen betreffend einer neuen Aufteilung der Spitäler in der Obersteiermark geworden ist, kann man fast täglich aus den Schlagzeilen der Tagespresse entnehmen. Abteilungen werden entgegen aller Ankündigungen geschlossen und Politiker und Wähler zeigen ihre Enttäuschung auf verschiedenste Art. „Die wählen wir nimmer!“ gehörte dabei zu den harmloseren Aussagen. Und man geht wieder auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zu protestieren. Dazu kommt, dass plötzlich auch in Bad Radkersburg die Orthopädie geschlossen werden soll. So als kleiner Drüberstreuer, weil man ohnehin schon dabei ist.
Bei Landtagssitzungen wird zum Budget für Kinderbetreuung zynisch behauptet, dass es mehr Geld als vorher gibt, nur weiß niemand, wer davon auch profitiert. Denn die Elternvereine und sozialen Einrichtungen, die die jeweiligen Förderungen benötigen würden, sehen nichts davon. Fazit: Die FPÖ hat nichts Neues erreicht und ihre Wahlverspechen wie erwartet gebrochen. Und wie in anderen autokratisch geführten Ländern schon üblich, beginnt sie bei den Sozialleistungen, also bei den Schwächsten der Gesellschaft, einzusparen. Und was kommt dann?
Auf Seite 131 wird versucht, die Ziele von einem abnormalen Präsidenten, namens Donald Trump, näherzubringen. Dabei habe ich als Schreiber eigentlich versagt. Denn was der grenzdebile Wahnsinnige noch alles vorhatte, konnten wohl viele andere auch nicht erahnen.
Manchmal vollführen eben Rechtspolitiker vom Schach bekannte Rösselsprünge durch, die man nur schwer vorhersagen kann, die aber immer zum Schaden des eigenen oder zum Schaden eines anderen Volkes sind.
Den Angriff auf Venezuela kann man so oder so sehen. Zum einen wurde ein Despot festgenommen, der es längst verdient hat, zum anderen bedient sich aber Trump nun auch ausreichend am venezolanischen Öl. Natürlich verspricht er, dass das auch dem venezolanischen Volk zugutekommen wird. Aber ehrlich, wer glaubt das schon.
Der eigentliche Hammer aber ist die geplante Annexion von Grönland. Die Insel in Europa, die er vorwiegend zum Schutz der Nation benötigen würde, um damit Chinesen und Russen abzuwehren. Kein Wort über die vorhandenen Bodenschätze, welche von ihm und seinen Schergen gestohlen werden würden. Vermutlich hat er irgendwann seinen Milliardärs-Freunden erklärt, dass sich alle mit ihm und Grönland dumm verdienen werden.
Die Einhaltung der Menschenrechte ist ihm dabei ohnehin vollkommen egal. Und Europa und die NATO? Scheißegal!
Auf Seite 225 erinnert der Bundespräsident daran, dass wir bisher mit autokraten Regierungen immer Pech hatten und dafür blutig bezahlen mussten. Die Zukunft wird zeigen, ob die Wähler in Österreich intelligent genug sind, um ein derartiges Desaster nicht erneut heraufzubeschwören. Aber es wird sich auch zeigen, ob die Politiker intelligent genug sind, um das zu verhindern.
In seiner Rede zum Nationalfeiertag 2025 sagte Bundespräsident Van der Bellen in Bezug auf die derzeitigen Wählerströme in Österreich: „Weil wir blutig gelernt haben, dass der Glaube, im Besitz der alleinigen und absoluten Wahrheit zu sein, geradewegs ins Verderben führt“. Und er meinte damit auch, dass heute dort wieder Blut fließt, wo Diktatoren, Kriegsverbrecher und Faschisten regieren.
Bleiben wir einmal beim Amt des Bundespräsidenten. In den Jahren der 2. Republik hatten wir gutmütige, väterliche, umstrittene oder nicht beachtete Bundespräsidenten. Mit Van der Bellen haben wir derzeit aber vermutlich den Intelligentesten, der dieses Amt jemals innehatte. Nur die Dümmsten haben sein Verhalten in Bezug auf die Vergabe des Regierungsauftrages nach den Wahlen im Herbst 2025 kritisiert. Denn er wusste im Vorhinein, dass ein Regierungsauftrag an Kickl scheitern würde. Was sich letztlich auch bestätigt hat. Nur der sturen Ideologie von Babler war es zu verdanken, dass die ersten Verhandlungen zur Koalition gescheitert sind. Mit dem Trotz eines Fünfjährigen hätte er eine Kanzlerschaft von Kickl beinahe zustande gebracht. Van der Bellen wollte dem Volk einige Wochen an sinnlosen Verhandlungen ersparen. Er bewies damit seinen Weitblick, aber auch seine Sorgen um die Demokratie. Und natürlich kam Kritik von all jenen, die keinen Weitblick und keine Sorgen um die Demokratie hatten. Also von all jenen, deren Gehirnkapazität mit der einer Eintagsfliege vergleichbar ist und die sofort über etwas urteilen, obwohl sie keine Ahnung davon haben. Ein Verhalten wie bei den MAGA-Anhängern in den USA oder den Wählern der AfD in Deutschland. Und wie ist das bei uns?
Nur Beispiele?
Ja, es sind nur Beispiele aber Fakten, wozu rechtspolitische Politiker nach einer Wahl fähig sind. Und alle Argumente, dass das bei uns selbst nie so sein kann, sind Schall und Rauch, denn niemand kann das vorhersagen.
Wer bei den Fakten bleibt, sieht im Moment immer mehr, wohin auch die Politik in Österreich treiben würde, wenn man weiterhin den Rechten den Vorzug gibt. Und auch wenn man sagt, die sollen sich einmal bewähren, ist das Risiko viel zu hoch, dass in den Jahren einer rechtspopulistischen Amtszeit bis zur nächsten Wahl nicht Schäden eintreten, die nicht so leicht zu beheben sein könnten, wie man glaubt. Auch dafür gibt es bereits genug Beispiele.